Knapp 2.000 Kilometer haben wir uns in den ariden (trockenen) Regionen vom Südwesten in den Nordosten Marokkos bewegt, davon ungefähr die Hälfte auf Pisten durch Sand und Geröll. Wir genossen die Weite der Landschaften, die Einsamkeit, das Wetter und die den „Straßen“verhältnissen angepasste Durchschnittsgeschwindigkeit.

Als wir bei Saidia fast übergangslos aus der Trockenheit ans Mittelmeer gelangten, hatten wir unser Hauptziel für diese Reise erreicht. In unserem Hinterkopf hatten wir in den Modus „Jetzt entlang der Küste zur Fähre und dann gemütlich nach Deutschland zurück“ gewechselt.

In Bezug auf die Mittelmeerküste Marokkos hatten wir wenig erwartet (den Grund dafür können wir nicht nennen, es lebe mal wieder das Vorurteil 😉). Jedoch erwartete uns eine mehr als 400 Kilometer lange Panoramastrecke, die dem Team IVO zwar einiges abverlangte (Gebirge + viele Kurven = Anstrengung), deren Ausblicke auf spektakuläre Küstenabschnitte den Lohn für all die Mühen darstellte.
Bilder? Weitgehend Fehlanzeige… Entweder hatten wir keine Lust, oder wir konnten gerade nicht anhalten, oder das Motiv war schön, aber die Kamera konnte es nicht adäquat einfangen (wobei wir die Schuld definitiv nicht bei der Technik, eher beim Bedienungspersonal suchen würden 😉).




Über zwei Themen wollen wir allerdings doch berichten:
Dass an der marokkanischen Mittelmeerküste die zwei spanischen Enklaven Ceuta und Melilla existieren, war uns bereits seit längerem bekannt. Was wir allerdings nicht wussten, dass es neben diesen zwei Flecken noch weitere spanische Gebietsansprüche an der Küste gibt.
Die Inseln Peñón de Alhucemas und Isla de Tierra in der Bucht von Al Hoceima weisen jeweils nur die Größe eines Fußballfeldes auf, werden aber von Spanien verwaltet.
Noch skurriler präsentiert sich die Halbinsel Peñón de Vélez de la Gomera, ebenfalls nur ein Steinklotz im Meer. Durch ein Erdbeben wurde die Insel über eine Sandbank per pedes vom Festland aus erreichbar. Das hat zur Folge, dass auf dieser Sandbank die kürzeste und vielleicht auch skurrilste Landesgrenze der Welt verläuft. Ein 50 Meter langes Seil, bewacht von einem einsamen marokkanischen Soldaten, trennt an dieser Stelle Marokko von Spanien.

Auf dem Fels wacht die spanische Guardia Civil über das Kleinod…
Wir hatten viele Fragen. Akzeptiert Marokko diese spanischen Kleinst-Enklaven? (Antwort: Nein) Muss Frontex auch diese Grenze bewachen? Wohin entsorgt die Guardia Civil ihre Abwässer und ihren Müll (denn Marokko wird sich dessen sicher nicht annehmen)? Gilt das Dublin-Abkommen auch hier?… und vor Allem: Was soll das?
Antworten gab es fast keine, die Recherchen im Internet führten auch zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Daher müssen wir dieses Kapitel wohl in die Rubrik „Aktenzeichen XY“ einordnen…
Und zum Zweiten: Wenn Ihr in der Gegend seid, dann stattet Tétouan einen Besuch ab. Weitab der Touristenströme präsentiert sich die Stadt mit einer zauberhaften Medina und zudem ist sie seit einigen Jahren der ständige Sommersitz des marokkanischen Königs.





So schließt sich nach drei Monaten unser marokkanischer Kreis. Sechs Jahre nach unserem letzten Besuch mussten wir feststellen:
- Verkehr und Müll haben zugenommen.
- Der Tourismus hat ordentlich zugelegt. Aber hey: wir sind auch Teil des Problems 😏.
- Die zauberhaften alten Renaults, Mercedes, Nissan, die mit viel Ehrgeiz wieder und wieder repariert werden, sterben langsam aus
- Die Menschen sind nach wie vor überwiegend herzlich. Den einen Steinwurf, der unserer Wohnkabine einen Lackkratzer zufügte, schreiben wir eher einem dumpfbackigen Teenager zu.
- Über die Landschaft haben wir nun wahrlich genug berichtet…
Fazit: Gerne wieder, es gibt noch viel zu sehen…
Aber diese Geschichten spielen irgendwann in der Zukunft. Wir machen uns nun auf den Weg Richtung Norden und schließen das Reisetagebuch bis zum nächsten Mal.
Habt bis dahin eine gute Zeit ☺️.
Danke für das dabei sein bei Euren Abenteuer Alex
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