90 Tage Visum – Wir müssen raus

Bei der Einreise nach Südafrika Ende Oktober 2025 erhielten wir – wie die meisten der Touristen – ein Touristenvisum mit einer Dauer von 90 Tagen. Ursprünglich hatten wir den Plan, eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis in Südafrika auf 180 Tage zu beantragen. Nachdem wir allerdings erfuhren, dass

  • für die Beantragung die Hilfe eines Agenten dringend empfohlen wird,
  • die Beantragung – unabhängig vom Ergebnis – ca. 750 € kostet und
  • das Ergebnis dieser Beantragung keineswegs sicher ist

beschlossen wir, von dieser Verlängerung Abstand zu nehmen und stattdessen mit Ablauf der 90-tägigen Aufenthaltserlaubnis Südafrika vorerst Lebewohl zu sagen und unsere Reise in Namibia fortzusetzen.

Diverse Personen, die sich mit dem Thema „Einreise und Aufenthalt in Südafrika“ auskennen, warnten uns eindringlich, keinen so genannten „Overstay“ zu riskieren, also die erlaubte Aufenthaltsdauer zu überziehen. Das wollten wir nicht riskieren.

Und somit war der Januar 2026 damit ausgefüllt, gemütlich in Richtung Namibia zu reisen. Und dass der Weg dorthin nicht zu einer reinen Transitstrecke mutierte, war angesichts der verbleibenden knapp vier Wochen logisch.

Einen Stopp mussten wir noch in Calitzdorp machen. An der berühmten Route 62 am Fuß der Swartberge gelegen, hatten wir auf dem Weg in Richtung Osten nur kurz zum Tanken Halt gemacht. Nun blieben wir ein paar – sehr heiße – Tage in diesem Weindorf, testeten Wein, Gin und Whisky und erkundeten die Gegend.

Der Gamkarivier liefert die notwendige Feuchtigkeit für den intensiven Wein- und Obstanbau rund um Calitzdorp.
Es sind die Kleinigkeiten, die den Ort sehenswert machen.
Eines der bekannten Weingüter in Calitzdorp, das auch (angeblich) Südafrikas besten Whisky destilliert. Uns schmeckt er wohl…
Kurz hinter Calitzdorp wird es wieder einsam und viel trockener. Das ist doch wieder unser Metier 😊
Mal wieder einer dieser überraschend netten Übernachtungsplätze auf dem Weg von A nach B
Diese Fähre über den Breede River wurde vor 10 Jahren noch mit Muskelkraft angetrieben. Fortschritt zum Wohle der Mitarbeiter 😊
Breede River aus der Übernachtungsperspektive – auch schön 😉

Bevor wir weitere Kilometer auf Asphalt, Schotter und im Gelände unter die Räder nehmen konnten, mussten diese zunächst mit frischem Gummi bestückt werden. Nach 100.000 pannenfreien Kilometern in 10 Jahren waren unsere Mud-Terrain Reifen aufgebraucht. Und da wir mit unserer Wahl vor 10 Jahren buchstäblich gut gefahren sind, sollten jetzt wieder die Mud-Terrain Reifen von BFGoodrich auf die Felgen.

Die alten Schlappen runter…
… und die neuen Puschen drauf. Fährt sich gleich viieel besser 😀

Auf dem Weg Richtung Norden machten wir auf dem Platz Station, an dem wir Ende April 2026 unser Auto einlagern werden, bis wir dann nach einem Deutschland-Aufenthalt die Reise fortsetzen.

Bei Duncan treffen sich die Reisenden zum Austausch, zu Wartungs- und Reparaturarbeiten und um die Karren einzulagern.

Dort bestaunen wir auch eine Ikone des Overlanding. Liliana und Erich Schmid kauften diesen Toyota FJ60 im Jahr 1984. Bis zum Tod von Liliana Schmid im Jahr 2024 bereiste das Paar mit diesem Fahrzeug 186 Länder. Nun soll das Fahrzeug mit stolzen 800.000 Kilometern Laufleistung in der Werkstatt aufbereitet werden, um dann als Ausstellungsstück ein Museum zu bereichern.

Gegen dieses Fahrzeug ist unser Defender geradezu neu. Unsere Reiserecherchen wurden immer wieder durch die Erfahrungen der Schmids bereichert.

Anlässlich des runden Geburtstags eines sehr geschätzten Familienmitglieds traf sich die feierwütige Gemeinschaft in Langebaan an der Atlantikküste. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Und mit etwas Vorplanung kann sich der interessierte Gourmet einen Platz im „Strandloper“ reservieren. Die Regeln sind einfach.

  • Es fängt pünktlich um 12:30 an.
  • Es gibt 10 Gänge, die – bis auf das Dessert – alle mit dem Meer zu tun haben.
  • Die Gerichte werden direkt am Strand zubereitet und gegessen.
  • Gegessen wird mit den Fingern
  • Getränke können mitgebracht oder dort erworben werden.
  • Spaß ist im Preis garantiert inbegriffen.
  • Nach knapp vier Stunden trollten wir uns satt und zufrieden von dannen.
Ständchen für den Jubilar
Muscheln, Fisch und andere Meeresfrüchte werden direkt vor unseren Augen zubereitet
…während Brot und Räucherfisch warmgehalten werden.
Perfekte Location für ein kulinarisches Erlebnis der besonderen Art. Empfehlenswert!

Wir durften natürlich die Umgebung der Cederberge nicht verlassen, ohne eines der Hauptprodukte dieser Gegend zu besichtigen. Der Rooibos ist eigentlich eines von vielen Gewächsen des buschartigen Bewuchses in den westlichen Bergregionen der Provinz Westkap. Ausgewählte Arten dieses Hülsenfrüchtlers werden in den sandigen Böden der Region angebaut, um daraus den in Südafrika beliebten koffeinfreien Rooibos-Tee zu gewinnen. Diverse Rooibos-Farmen bieten Plätze zum Übernachten. Wir haben nördlich der Cederberge die Gifberg-Farm besucht. Bei einer Wanderung über das Farmgelände konnten wir dann auch noch Felsmalereien bestaunen.

Leider hatten wir die Ernte des Rooibos knapp verpasst
Dafür war die Aussicht von der Gifberg Campsite mal wieder vom Feinsten
Zum Beinevertreten gab es genügend Auslauf. Es ging allerdings über Stock und Stein
Dafür wurden wir mit circa 2.000 Jahre alten Felsmalereien belohnt.
Die Motive wiederholen sich zwar, aber das mindert nicht die Bewunderung für die Künstler.
Die Kunst der Ureinwohner diente zu Ausbildung- und Kommunikationszwecken.

Unsere (vorerst) letzte Station in Südafrika ist das Richtersveld. In dieser trockenen Bergwüste leben die letzen nomadischen Nama des südlichen Afrika unter extremen klimatischen Bedingungen mit Frost im Winter und Temperaturen jenseits der 40 Grad im Sommer. Die gesamte Gegend ist zum Einen in den Richtersveld Nationalpark und zum Anderen in das Richtersveld Community Conservancy aufgeteilt, das den Status als UNESCO-Welterbestätte innehält. Es regt im Übrigen zum Nachdenken an, dass im staatlich verwalteten Nationalpark der Betrieb von Diamanten- und anderen Minen zugelassen wird, während die Gemeinschaft der Nama und Bosluis-Baster diese Ausbeutung in ihrem Gebiet untersagen.

Wir würden gerne mehr Zeit hier verbringen, müssen jedoch angesichts dieser Temperaturen das Programm etwas straffen.

Die Anfahrt zum Richtersveld Nationalpark. Durch den Bergbau scheint der komplette Landstrich umgegraben.
Trist, aber schön. Zumindest empfinden wir das so.
Im Park treffen wir wieder auf den Oranje River. Das andere Ufer gehört bereits zum namibischen Teil des Transfrontier-Parks
Und dann dürfen wir auch noch direkt am Fluss nächtigen. Der kuschelige Wachhund ist im Preis inbegriffen 😊
Da hat niemand den Meißel angesetzt. Die „Hand Gottes“ ist ein geologisches Phänomen.
Die Strecke durch den Park ist einsam, hügelig und zum Großteil nur mit einem Allradfahrzeug erreichbar.

In den Mythen der Ureinwohner, den Nama, stellt der „Halfmen-Baum“ eine Besonderheit dar. Durch die Kolonialmächte aus ihren angestammten Gegenden vertrieben, symbolisiert der Baum die Sehnsucht nach ihrer angestammten Heimat.

Besonders schönes Exemplar des Halfmen-Baumes
Wir schauten beide auf diese Szenerie und hatten als Assoziation: „Wir sind auf dem Mars“. Na, hoffentlich treffen wir nicht auf Elon Musk 😬
In der Richtersveld Community Conservancy übernachten wir an einer verlassenen Farm.
Das Farmhaus geschickt in den Fels integriert.
Und der Fuhrpark war auch noch da 😉

Es wurde Zeit, Südafrika zu verlassen. Wir haben die drei Monate sehr genossen und freuen uns darauf, in ein paar Wochen den Trip in diesem Land fortzusetzen. Doch nun nahmen wir den Grenzübergang nach Namibia.

Aber davon erzählen wir Euch in der nächsten Geschichte.

Habt bis dahin eine gute Zeit 😊.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..