Oh, wie schön ist Namibia

In Abwandlung eines Janosch-Klassikers schwelgen wir vor dem Grenzübergang in unseren Erinnerungen, die – zugegebenermaßen – auf bis zu 22 Jahre alten Erfahrungen beruhen. Denn so lang ist es her, dass wir dieses Land zuletzt bereisten.

Wir waren damals begeistert von der Natur in dem (nach der Mongolei) zweitdünnst besiedelten Land der Welt. Entsprechend hoch war unsere Erwartungshaltung und Vorfreude, als wir – ohne Probleme – die Grenze zwischen Südafrika und Namibia überquerten. Kurz ein paar „Hardfacts“ zum Grenzübergang.

  • Das Carnet de Passage muss nicht gestempelt werden, da die Länder Südafrika, Namibia und Botswana in der SACU-Zollunion vereint sind. Voraussetzung ist, dass ihr innerhalb der SACU bleibt. Wolltet ihr z.B. von Namibia weiter in Richtung Angola oder Zimbabwe fahren, so muss das CdP in Südafrika aus- und in Namibia eingestempelt werden.
  • Bei der Einreise nach Namibia dürfen keine Fleisch- oder Milchprodukte mitgeführt werden. Wir hatten in den Tagen zuvor brav alles diesbezüglich aufgegessen.
  • Namibia erhebt eine Straßennutzungsgebühr (für unser Auto ca. 23 EUR). Diese hat zwar eine Gültigkeit von drei Monaten, jedoch handelt es sich um eine „Single-Entry Gebühr“, die bei jeder Einreise entrichtet wird.
  • Die Einreiseformalitäten können mit Hilfe eines „E-Visa on Arrival“ beschleunigt werden, indem ihr Eure Daten im Internet (https://eservices.mhaiss.gov.na/visaonarrival) eingebt und die Zahlung der Visumsgebühr veranlasst. In der Regel erhaltet ihr ein 90-Tage Visum. Beachtet bitte, dass der touristische Aufenthalt in Namibia auf 90 Tage pro Kalenderjahr begrenzt ist. Erzählungen anderer Reisender zufolge wird diese Regel nicht immer geprüft.

Schon in den ersten Tagen unseres Aufenthaltes fiel uns auf, dass die Übernachtungspreise auf Campsites (und ganz besonders in Lodges) im Vergleich zu Südafrika deutlich höher ausfielen. Hatten wir in Südafrika im Schnitt mit ca. 15 EUR pro Nacht kalkuliert, so mussten wir in Namibia durchschnittlich 25 EUR pro Nacht hinblättern. Nicht dass uns das finanziell ruiniert hätte, aber das Preis-/Leistungsverhältnis passte an vielen Stellen nicht mehr.

Zudem hatten sehr viele Campsites zum Jahreswechsel 2025/2026 die Preise nochmals um 15% angehoben, so dass wir immer wieder mit höheren Preisen konfrontiert waren, als wir über die uns zur Verfügung stehenden Quellen (Tracks4Africa, iOverlander…) recherchiert hatten.

Diese Preispolitik basiert auf der enormen Nachfrage internationaler Touristen. Insbesondere deutsche Urlauber haben das Land in den letzten 10 Jahren für sich entdeckt und somit hält der Boom ungebrochen an. Im Land selbst regt sich mehr und mehr Kritik, da sich die Einheimischen diese Preise für Übernachtung (und auch Restaurants) kaum noch leisten können und die Gewinne aus diesen Unternehmen gerne in die Taschen großer Konzerne fließen. So hat z.B. Gondwana ein Netz von Lodges und Campsites über das Land gezogen und bestimmt das Preisniveau maßgeblich mit.

Uns ist bewußt, dass wir selbst auch Teil des Problems sind, weil wir an diesem Massentourismus teilnehmen. Wir wollen lediglich unser Verständnis dafür ausdrücken, dass der „Overtourism“ Länder und Regionen belastet und die Menschen zwar auf der einen Seite ihr Auskommen aus dem Tourismus generieren, auf der anderen Seite aber ein „ungestörtes“ Leben fast nicht mehr möglich ist. Und je dünner ein Land besiedelt ist (so wie Namibia), um so mehr fallen die negativen Auswirkungen des überbordenden Tourismus auf.

Genug der düsteren Gedanken….

Abgesehen davon ist das Land ohne Frage eine Reise wert. Da wir einige Hotspots wie zum Beispiel Soussousvlei bereits vor mehr als 20 Jahren besucht hatten, konnten wir die etwas weniger frequentierten Gebiete ansteuern.

Ganz im Süden Namibias – an der Grenze zu Südafrika – gehört der Fish River Canyon zu den bevorzugten touristischen Zielen. Die hohen Temperaturen jenseits der 40 Grad Celsius ließen uns von diesem Ziel Abstand nehmen. Somit führte uns die Route von der Zink- und Bleiminenstadt Rosh Pinah an die Küste nach Lüderitz.

Unsere Campsite auf einer Farm in der Nähe von Rosh Pinah. Den hebräisch anmutenden Namen verlieh einer der ersten Minenbesitzer

Von unserem betagten Gastgeber erfuhren wir einiges aus dem Leben in diesem Landstrich. Sein Vater hatte Anfang der 1950er das Land gekauft und eine Straußenzucht etabliert. Die Farm war so groß, dass sie die Tiere mit einem Kleinflugzeug zusammentrieben.

An diesem „massiven“ Zaun sammelte sich die Straußenherde

Wasser gab es in dieser wüstenartigen Gegend aus einem Bohrloch. Die Ernährung war eine stete Herausforderung. Die Stadt und damit verbundene Versorgungsmöglichkeiten wurde erst Mitte der 1960er Jahre gegründet. Somit wurde im Winter gejagt und das Fleisch wurde zur Gewinnung von Biltong zum Trocknen aufgehängt. Auf dem gesamten Farmgelände gab es dafür genau einen Baum.

Als Kind – so erinnerte sich unser betagter Gastgeber – musste er immer nachschauen, ob das Biltong „reif“ war, das unter diesem Baum hing.
markanter Fels auf dem Farmgelände. Assoziation: Fuchur aus „Die unendliche Geschichte“

Um es kurz zu machen: Lüderitz hat uns nicht gefallen. Die Stadt ist weitgehend heruntergekommen, vereinzelte alte Gebäude zeigen Kolonial-Charme und wenn dann auch noch Kreuzfahrttouristen einfallen, nehmen wir flugs Reißaus.

Das Gerichtsgebäude. Die „Azulejos“ in der Mauer sind eine Gabe der Portugiesen anlässlich des 500. Jahrestags der ersten Anlandung von Europäern an der namibischen Küste
Die eigentliche öffentliche Bibliothek ist in einem anderen Gebäude untergebracht
Hier wird nicht mehr der Leibesertüchtigung gefrönt, vielmehr beherbergt das Gebäude ein Guesthouse und einen Veranstaltungsraum.

Auch die berühmte „versunkene“ Stadt Kolmanskop haben wir uns geschenkt. Busse mit Kreuzfahrttouristen fluten die alte Diamantenminenstadt, und wer länger als bis 13:00 Uhr im Gelände bleiben will, muss ein Permit für schlappe 20 EUR zahlen.

Die Stelle am Diaz-Point ist eine Kopie des von Bartolomeu Dias im Jahr 1488 errichteten Kreuzes. Es erinnert an die erste Anlandung eines Europäers an diesem Teil der afrikanischen Küste.
Die Zufahrt nach Lüderitz erfolgt über eine 100 Kilometer lange, nahezu schnurgerade Straße durch die Namib-Wüste. Sandarbeiten sind täglich notwendig.
Vor dem Automobil war die einzige Verbindung die Eisenbahn, hier am Bahnhof Garub. Denn für Pferde und Lasttiere gab es nicht genug Wasser.
Die Strecke wird heute für den Transport von Mangan zum Hafen von Lüderitz genutzt.

Die Bahnstrecke entstand aus den Erfahrungen des Aufstandes der Herero und Nama im Jahr 1904. Man kam zu dem Schluss, dass die Stadt Lüderitz mit dem für die Kolonialmacht bedeutenden Hafen besser an das Hinterland angebunden werden müsse.

Die militärische Macht Deutschlands wurde durch die Kaiserliche Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika repräsentiert. Ihre brutale Vorgehensweise gegenüber den Herero und Nama nach den Aufständen im Jahr 1904 führte zum ersten Völkermord im 20. Jahrhundert.

1915 musste sich die Schutztruppe gegen die vorrückenden Truppen der südafrikanischen Union geschlagen geben.

Verteidigungsanlage der deutschen Schutztruppe bei Aus.
Es kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden, aber die Wildpferde der Namib stammen wohl von Militärpferden ab, die nach der Niederlage 1915 freigelassen wurden.

Nach dem Ausflug an die Küste setzen wir unsere Reise in Richtung Norden fort. Aber das erzählen wir in einer anderen Geschichte.

Habt bis dahin eine gute Zeit 😊.

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