Lettland – die zweite

Auf dem Weg zurück Richtung Mitteleuropa geht es für uns in die größte der vier lettischen Regionen – nach Vidzeme, von einigen fälschlicherweise auch mit Livland gleichgesetzt. Livland ist die Bezeichnung für ein ursprünglich deutlich größeres Gebiet, in dem seit ungefähr Christi Geburt die westfinnischen Liven und die baltischen Lettgallen siedelten, bevor im 12 Jhd. die deutschen Kreuzritter (mal wieder) die Herrschaft übernahmen.

Der Gauja-Nationalpark wird im Allgemeinen als „lettische Schweiz“ bezeichnet. Als alter Franke war natürlich gleich die Assoziation „Schweiz > Brauereien > Schweinsbraten“ fest im Kopf verankert. Und richtig: In Cesis, einem der zentralen Orte im Nationalpark, ist die mit 500 Jahren älteste Brauerei des Baltikums noch in Betrieb. Und dort gibt es auch vernünftiges Bier. Das mit dem Schweinsbraten haben wir nicht geschafft…

Wir hatten viel vor im Gauja-Park: Wir wollten wandern, Fahrrad fahren, paddeln, Putz- und Schnür machen. Geschafft haben wir davon: Putz- und Schnürtag sowie Paddeln! Beides hat sich gelohnt. Putz- und Schnürtag, weil das Auto nach den vielen Sand- und Schotterpisten aussah, als könnte man im Innern eine Sandburg bauen. Und das Paddeln, weil sich die Gauja durch eine wunderschöne Landschaft schlängelt und spektakuläre Steilufer aus Sandstein der Paddeltour teilweise den Charakter einer Canyon-Fahrt verleihen.

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Zum Putz- und Schnürtag gehört natürlich auch das Führen unseres analogen (sic!) Tagebuches
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Paddeln auf der Gauja. An den spektakulären Sandsteinufern war zu viel Strömung, fotografieren fiel aus…

Die anderen Aktivitäten fielen zum Einen dem Wetter zum Opfer, zum Anderen dem netten Umstand, dass wir Christiane und Alex getroffen haben (minnatour.eu), die mit ihrem ehemaligen Polizeiauto quer durch die Weltgeschichte gondeln und mit denen wir uns aufs Köstlichste unterhalten haben. Danke an Euch beide, wir sind so froh, dass wir Euch getroffen haben.

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„Fähre“ über die Gauja

Der Weg vom Gauja entlang des Flusses Daugava in den Südosten des Landes ist zwar nicht der absolute Renner, aber man erwischt immer wieder nette kleine Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Burgruine von Koknese, die nach der Errichtung eines Staudamms nun auf einer Insel in der Daugava liegt. Neben der schönen Lage in einem Flussbogen ist auch hier wieder die Bedeutung der Burg für die lettische Identität, da sie Schauplatz lettgallischer Sagen war und der Bischof von Riga Anfang des 13 Jhd. den Bau der heute nur noch teilweise erhaltenen Burganlage befahl. Koknese hieß zur damaligen Zeit übrigens Kokenhusen. Könnte auch in Norddeutschland liegen…

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Die Flußschleife der Daugava
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Burgruine in Koknese

Je weiter östlich, desto (weiß-)russischer… Es gibt wieder orthodoxe Kirchen und Friedhöfe, kyrillische Schrift herrscht vor – Man merkt, dass die Grenze zu Weißrussland nicht mehr weit ist.

 

Unser Fazit zu Lettland fällt etwas zwiegespalten aus: Einerseits ist das Kurland und auch die Gegend um den Gauja-Nationalpark landschaftlich wunderschön. Riga ist eine Stadt, die man unbedingt besuchen sollte. Auf der anderen Seite fehlte uns ein wenig der Sinn für das alltäglich Schöne im Leben der Menschen. Herrschen in Litauen und natürlich in Estland schöne Holzhäuser vor, die von einem netten Garten umgeben sind, in der auch mal kleine Kunstwerke aufgestellt sind, so dominiert in Lettland eher die reine Zweckmäßigkeit. Die Menschen sind recht zurückhaltend oder sogar reserviert (das gilt allerdings in verschiedenen Abstufungen für das gesamte Baltikum).

 

Der südöstliche Streifen Lettlands war dann auch der Punkt, von dem der Weg weiter Richtung Litauen führte. Das ist aber eine andere Geschichte, die wir Euch bald erzählen werden. In diesem Sinne: Gute Nacht und träumt was Schönes 😉!

4 Kommentare zu „Lettland – die zweite

  1. der Hinweis zur minnatour:
    Dass jemand freiwillig in einer „Wanne“ durch die Welt tourt, ist schon mehr als ungewöhnlich :))
    Bisher total spannend und interessant! Weiterhin gute Fahrt

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  2. Na Ihr aldn Franggn,
    nicht mehr weit bis zur Färdder Kerwa und zum Ammerndorfer Bierstand, nebst Kerwaamerla. 😉

    Letztens waren wir bei der Brauerei Held in Oberailsfeld. War lecker.
    Und das Wochenende drauf mit den Gertmuts im Keller in Buttenheim. War schee.

    So, jetzt guck ich mal, wie man mit ner B*****schaukel rum fährt.

    Bis bald, wir freuen uns jetzt schon
    Christoph

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