Und zack: Wieder in Südafrika!

Die verbleibenden fünf Wochen unseres Aufenthaltes wollen wir in Südafrika verbringen, damit wir – bildlich gesprochen – einen Haken hinter das West- und Nordkap machen können.

Dazu brauchen wir allerdings ein Visum für die verbleibende Zeit. Vor unserer Runde durch Namibia hatten wir die erlaubten 90 Tage in Südafrika voll ausgenutzt. Die erneute Gewährung eines Touristenvisum ist nicht garantiert und wir haben von anderen Reisenden beide Varianten erfahren: Erneutes Ausstellen eines Visum für 90 Tage oder lediglich ein Transitvisum über 7 Tage. Entsprechend aufgeregt kamen wir an den Grenzübergang, wo uns aber ohne Probleme ein Visum über 90 Tage ausgestellt wurde. Glück gehabt!

Erste Station nach dem Grenzübergang sind die Augrabies Falls. Gespeist werden die Wasserfälle vom Oranje River, dem mit 2.432 Kilometern längsten Fluss Südafrikas. Und weil wir im März die Fälle besuchen, stürzen sich aufgrund der Regenfälle der vergangenen Monate beeindruckende Wassermassen 56 Meter in die Tiefe, um dann in einer beeindruckenden Schlucht zu verschwinden. Beeindruckend bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Augrabies nach einer starken Regenzeit mit 6.800 Kubikmetern pro Sekunde so viel Wasser transportieren wie der maximale Durchsatz der Niagara-Fälle.

Die Khoikhoi nannten die Fälle „Ankoerebis“ (Platz des großen Lärms). Das können wir nachvollziehen.
Die Flutschäden entstanden erst kürzlich und zeigen, welche Wassermassen hier in die Tiefe stürzen können.
Die besten Wasserfallbilder entstehen im Sonnenuntergang.
Und wenn dann noch das Wetter mitspielt…
… wird die Dramatik gleich mitgeliefert 😉.

Der Wasserfall ist umgeben vom gleichnamigen Nationalpark, der sich entlang der Schlucht zieht, die der Oranje River in den Fels gegraben hat. Wir besuchen einige Aussichtspunkte und erfreuen uns an der kleinen, aber feinen Tierwelt.

Hoch über der Schlucht des Oranje River…
Der Weg durch den Park ist manchmal etwas feucht.
…genau das Richtige für den Eisvogel…
… und für den Hammerkop, der auf sein Mittagessen wartet.
Da die Campsite bevorzugtes Revier der Affen ist, müssen wir durchgängig auf unsere Sachen aufpassen.

Apropos Tierwelt: Eine Stunde nach Ankunft auf der Campsite bemerkten wir zahllose Ameisen, die über den Defender verteilt herumkrabbelten. Auf der Suche nach der Quelle des Überfalls bemerkten wir einen Zweig, der bis auf das Dach des Autos ragte. Diese kleine Brücke nutzten die Ameisen, um unser Auto in Beschlag zu nehmen. Nach einem Tag (trotz hartnäckigem Beseneinsatz) fanden wir ein Nest unter der Fußmatte. Selbst nach zwei Wochen entdeckten wir ein weiteres Nest unter einer Türdichtung. Wir hatten knapp vier Wochen „Spaß“ mit den kleinen Rackern und waren ständig auf der Suche, um die Tiere vom Auto zu fegen oder mit der chemischen Keule die Ansiedlung zu verhindern.

Weiter südlich ging es. Die Zeit verging schnell und der Termin unserer Abreise rückte immer näher. In der auf unserer Route liegenden Tankwa Karoo weitet sich der Blick automatisch, die Stille ist der Normalzustand und Licht gibt es nur, wenn wir eine Lampe leuchten lassen.

Typisch Karoo: Windrad vor dramatischem Sonnenuntergang
Endlose Pisten durch einsames Farmland kennzeichnen die Karoo.

Diese Abgeschiedenheit hat auch die Wissenschaftler bewogen, auf den Höhenzügen der Roggeveldberge in der Nähe der Stadt Sutherland Teleskope für die Himmelsbeobachtung aufzubauen. Die verlässlich klaren Nächte in der Gegend und das Fehlen von „Lichtverschmutzung“ führte zum Aufbau einer Reihe von Teleskopen auf knapp 1.800 Metern Höhe, von denen das älteste (1,9 Meter Spiegeldurchmesser) bereits seit 1948 im Einsatz ist – zunächst in Pretoria. Der bereits 1939 in England gefertigte Spiegel wurde bei Beginn des zweiten Weltkriegs vorsorglich vergraben.

Die verschiedenen Geräte werden von zahlreichen Universitäten und Forschungseinrichtungen aus diversen Ländern betrieben und dienen nicht nur der optischen Beobachtung, sondern auch der Spektralanalyse.

Treffpunkt internationaler Wissenschaftler bei Sutherland.

Etwas näher ran dürfen wir an das „Elizabeth-Telescope“, das seinen Namen der britischen Königin verdankt.

Etwas älter als die Menschen auf diesem Bild: Das Elizabeth-Telescope wurde 1964 eingeweiht. Königin Elizabeth ließ sich entschuldigen.

Das SALT (Southern African Large Telescope) wurde als internationales Projekt geplant und gebaut. 91 hexagonale Spiegel addieren sich zu einer optischen „Brennweite“ von 9,2 Metern. Seit 2005 leistet es seinen Beitrag zur Erforschung des Weltraums.

Die zwei Forschungsreisenden vor dem SALT.
Pure Technik im Inneren des SALT. 91 hexagonale Spiegel fangen das Sternenlicht ein.

Ist die Tankwa Karoo an sich schon der Inbegriff von Einsamkeit, so verstärkt sich das Gefühl im Tankwa Karoo National Park noch einmal. Denn hier fehlen die Zäune, die sich normalerweise entlang der Pisten ziehen. 1986 wurde der Park geschaffen, indem das bisher als Farmland genutzte Gelände sich selbst überlassen wurde. Es gibt keine großen Tierherden, die Landschaft ist eher reizarm. Wir empfinden den Aufenthalt in dieser stillen Schönheit als ungemein beruhigend und genießen Weite, Landschaft und den Sternenhimmel, der im südafrikanischen Herbst an Klarheit kaum zu überbieten ist.

Anfahrt in den Tankwa Karoo National Park über den spektakulären Ouberg-Pass.
Zu altem Farmland gehören auch alte Friedhöfe.
Kein Mobilfunknetz. Verteilt über den Park finden sich Notruf-Funkgeräte. Pizzabestellungen werden nicht gern gesehen 😉.
Campsite mit Aussicht an einem verlassenen Farmhaus
Wir sitzen noch lange draußen und genießen
Auffahrt auf den Gannaga Pass, einer der Ausgänge aus dem Park
I believe I can fly … 😉

Es ist mittlerweile Ende März und die Temperaturen sind immer noch sommerlich, also nahe der 40-Grad Grenze 🥵. Deshalb wollen wir noch ein paar Tage zur Abkühlung in die Berge. Und außerdem gibt es ja noch etwas zu feiern 😊.

Aber davon erzählen wir in der nächsten Geschichte.

Habt bis dahin eine gute Zeit 😊.

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