Namibia kommt von Namib

Zum Ende der 106 Jahre dauernden Fremdherrschaft war Südwestafrika als Mandatsgebiet der Südafrikanischen Union unterstellt (die wechselvolle und alles andere als ruhmreiche englisch/deutsch/südafrikanische Fremdherrschaftsgeschichte mögen Interessierte in Kurzform hier lesen). Der Politiker und Widerstands-Aktivist Mburumba Kerina suchte nach einem eigenständigen Namen für das große Land mit vielen Ethnien, dessen Großteil der Fläche durch die Küstenwüste Namib bedeckt wurde. Was lag also näher, den Namen „Namibia“ zu wählen, der in der Folge 1968 von der UN-Generalversammlung anerkannt wurde.

Dass die eigentliche Unabhängigkeit von Südafrika – trotz eindeutiger Rechtsprechung durch den internationalen Gerichtshof – erst 1990 durchgesetzt werden konnte, passt zu diesem Land, dass lange Zeit Spielball internationaler Interessen war.

Nachdem wir nun also wissen, warum Namibia so heißt wie es heißt, wird auch verständlich, warum wir uns auf unserer Tour durch den Süden und die Mitte des Landes fast ausschließlich in oder am Rand der Namib-Wüste aufhalten.

Selbstverständlich hat Namibia auch andere Landschaften zu bieten. Nur werden wir diese auf dem aktuellen Teil der Reise nicht besuchen, denn

  • wir wollen nicht so viel Zeit in Namibia verbringen, weil wir noch einige Ziele im Westen Südafrikas besuchen wollen
  • der Norden ist zu dieser Jahreszeit feucht und leider steigt auch das Risiko einer Malaria-Infektion, je weiter wir in den Norden fahren.
  • und außerdem sind wir seit Start der Reise vor 3,5 Monaten deutlich mehr als 10.000 Kilometer gefahren. Der Besuch von Namibias Norden mit anschließender Rückkehr nach Kapstadt würde noch sehr viele Kilometer addieren und das wollen wir uns und dem Auto nicht antun.

Starten wir also unsere Tour entlang und durch die älteste Wüste der Erde.

Die „berühmte“ D707 führt durch das Wüstenrandgebiet und gilt als eine der schönsten Strecken Namibias. Vor Allem ist sie einsam.
rötlicher Sand, dunkle Felsen, gelbes Gras, blauer Himmel. Farben, die begeistern.

Die seltenen Bäume in dieser Gegend sind Heimat der Siedelweber. Diese bauen ihre Gemeinschaftsnester in Zusammenarbeit (die Männchen außen, die Weibchen sind für die Innenausstattung zuständig). Die Nester können bis zu 100 Jahre genutzt werden. Geschätzt 500 Vögel finden in einem Gemeinschaftsnest Zuflucht und die Gottesanbeterin sowie die Echse Kalahari-Skink sind gerngesehene Mitbewohner, weil sie die Kundschafter der Ernte-Termiten fressen, bevor diese die frohe Kunde eines großen Festessens an ihren Stamm weitergeben können. Schlau, nicht wahr?

Mit bis zu sieben Metern Durchmesser zählen die Bauten der Siedelweber zu den größten und schwersten Vogelnestern im Tierreich.

Hier mal wieder etwas aus der Abteilung „Skurriles“: Der Schutztruppen-Offizier Hansheinrich von Wolf gab das Schloss Duwisib in Auftrag, um damit seiner frisch vermählten Ehefrau zu imponieren. 1908 wurde das Schloss gebaut und nebenher eine erfolgreiche Pferdezucht etabliert. Nachdem von Wolf im ersten Weltkrieg gefallen war, wurde das Schloss verkauft. Heute ist es im Besitz des namibischen Staates.

Adler wacht über Schloss. Muss auch sein in dieser wilden Gegend 😉
Das skurrile Bauwerk bietet aber ein schönes Fotomotiv, vor Allem bei Vollmond.

Wir wollen auch mal mit dem Vorurteil aufräumen, dass es in der Wüste nie regnet. Zugegebenermaßen ist Niederschlag selten, aber besonders zu Beginn dieses Jahres 2026 gab es durchaus reichliche wolkenbruchartige Niederschläge, denen wir mit unserer kleinen Markise nicht trotzen konnten. Da brauchte es schon etwas stabilere Konstruktionen, um trotz Regen das Abendessen bereiten zu können 😊.

Kurze Zeit später hatte das Wasser den Unterstand erreicht. Aber das Essen war lecker 😉
Selbst am nächsten Tag mussten wir noch die ein oder andere Großpfütze queren.
Die oben im Text erwähnte Kolonialgeschichte wirkt bei einigen noch nach. Wie im Hotel Maltahöhe scheint es noch Anhänger der „guten alten Zeit“ zu geben. Die Flagge mit Ochsenkopf ist im Übrigen die alte Flagge von Deutsch-Südwestafrika
Also: wer jetzt nicht eindeutig seine Position bestimmen kann, der hat in Erdkunde aber nicht aufgepasst.
Wir hatten auf jeden Fall die richtige Piste gewählt und erfreuten uns somit an dem Farbspiel der Namib.
Und mitten in der Einsamkeit liegt in Solitaire die einzige Tankstelle zwischen Sesriem und Walvis Bay.
Wer hat behauptet, ein Defender sei staubdicht???

Und so tingeln wir weiter nordwärts, um in Swakopmund etwas frische Seeluft zu schnuppern. Aber davon erzählen wir beim nächsten Mal.

Habt bis dahin eine gute Zeit 😊.

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