Von Agadir zum Antiatlas

Mittlerer Atlas, Hoher Atlas, Antiatlas… Und da gab es doch noch den Atlas in der Schule (der mit den schönen Karten) sowie den Atlas aus der griechischen Mythologie…

Höchste Zeit, um Licht in das Wirrwarr zu bringen!

Alle Begriffe führen tatsächlich auf das Atlas-Gebirge zurück, das sich in voller Ausbreitung auf die Länder Marokko, Algerien und Tunesien erstreckt.

Die griechischen Dichter und Historiker Homer und Herodot interpretierten das Atlas-Gebirge als die westliche Grenze der damals bekannten Welt. Aus ihrer Theorie heraus stützte Atlas das Himmelsgewölbe (wohl die erste Sagengestalt mit dauerhaften Haltungsschäden).

Daraus folgerte, dass dieser Stein gewordene Himmelsträger die Verantwortung für die gesamte Erde auf seinen Schultern trug. Was lag also näher, als ein Kompendium, dass die Erde abbildete, ebenfalls Atlas zu nennen.

Mit unserer Tour durch den mittleren und hohen Atlas (siehe unseren Blogbeitrag) hatten wir den erdgeschichtlich jüngeren Teil dieses Gebirges bereits durchquert (Zwischen 1,8 und 65 Millionen Jahre und somit gerade einmal raus aus der Pubertät 😉).

Nun wollten wir uns den mit 300 Millionen Jahren ältesten Teil auch noch ansehen: den Antiatlas. Das Gebirge bildet die Grenze zwischen dem Norden und der Sahara und ist aus diesem Grund deutlich trockener als seine jüngeren Brüder; aber auch deutlich wärmer – und das kam uns doch sehr gelegen.

Haushoch! Hier werden Früchte aus der Ebene hinter Agadir transportiert
Verlassen inmitten des Antiatlas
Hier hatten eventuelle Angreifer eine harte Nuss zu knacken

Die Strecke von der Küste führte uns zunächst in das berühmte Paradiestal (für die Franken unter Euch: Ja, auch in Marokko gibt es das Paradiestal). Wir hatten große Erwartungen an das Tal, mussten jedoch feststellen, dass es sooo spektakulär doch nicht war. Der berühmte Fußweg in den unzugänglichen Teil des Tales war stark frequentiert, so dass wir davon Abstand genommen haben. Also weiter Richtung Antiatlas.

Gastwirtschaft im Paradiestal. Nett!
Großparkplatz am Eingang zum Fußweg ins Paradiestal
Vorbildlich!

Sobald der Defender die asphaltierten Wege im Norden des Antiatlas verlässt, wird es ruhig und schön. Größtenteils trocken gefallene Flusstäler durchschneiden die Hochebenen, auf denen die Bevölkerung der verstreut liegenden Dörfer einfachen Ackerbau betreiben, die Früchte der Arganbäume reifen und die Ziegen gerne auch mal in die Bäume klettern, um zu fressen.

Ebene – steil runter – Fluß – steil hinauf – Ebene: Der Antiatlas
Das grenzt schon an Massentierhaltung 😉
Wunderschönes Nachtlager in der Mitte vom Nirgendwo
Enge Straßen durch schöne Oasen
Wasser findet sich dann doch immer wieder

Apropos Arganbäume: Diese Kulturpflanze wächst mittlerweile nur noch auf 820.000 Hektar in Marokko (von einigen winzigen Ausnahmen abgesehen). Aus den Früchten, die im Sommer aufgelesen werden, wird in mühevoller Handarbeit das berühmte Argan-Öl hergestellt, das auch in Europa als Salatzutat oder in der Kosmetik verwendet wird. Der auch in Marokko hohe Preis für gutes Öl ergibt sich aus dem hohen Anteil manueller Arbeit und der Tatsache, das für ein Liter Öl ca. 30 kg Arganfrüchte benötigt werden. Unser Lieblingssnack: frisches Brot, bestrichen mit Amlou, einer Art Mandelbutter, belegt mit Banane und befeuchtet mit Arganöl. Lecker!

Endemische Pflanze: Der Arganbaum
… mit seinen Früchten

Besonders im nördlichen Teil des Antiatlas finden sich zahlreiche hohe Steingebäude, die bis heute der Lagerung von Lebensmitteln (Getreide, Arganfrüchte…) dienen: Die Agadire. Somit ist auch die Herkunft des Namens der marokkanischen Großstadt am Atlantik erklärt 🧐.

Argan und Agadir
Traumhafte Landschaft

Der Besuch der Stadt Tafraoute, die als Zentrum auf der Grenze zwischen dem fruchtbaren nördlichen und dem trockenen südlichen Antiatlas liegt, geriet doch kürzer als von uns ursprünglich geplant. Das lag nicht direkt an der Stadt, sondern eher an der Tatsache, dass diese Stadt überlaufen war. Tausende teils riesige Wohnmobile zwängen sich durch die Straßen und stehen überall herum. Kleiner Tipp an Airbus: Wenn es mit dem A380 in der Luft nix mehr wird, dann versucht es doch mal bei französischen Campingfreunden, die würden sich über ein Gefährt in dieser Größe sicher freuen.

„Chapeau de Napoleon“ bei Tafraoute. Naja, es braucht schon ein wenig Phantasie…
An diesem Ort mit grandioser Aussicht werden wir beim nächsten Mal übernachten

Wir sind also schnell raus aus dem Trubel und wieder rein in die Einsamkeit der Berge. Unser Ziel: Einmal mehr die Sahara. Aber das ist – Ihr wisst das ja bereits – eine weitere Geschichte  😊.

Heiß und trocken, die Fahrt durch das Flussbett
geschätzte Tiefe des Brunnens: 45 Meter!
Hier erklärt sich, warum der Atlas als Faltengebirge bezeichnet wird
Kaum vorzustellen, wie es aussieht, wenn der Fluß Wasser führt

4 Kommentare zu „Von Agadir zum Antiatlas

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