Unser Iveco säuft Öl!

Der Motor des Iveco 90-16 gilt im Allgemeinen als sehr zuverlässig. Um so verwunderlicher war es, dass unser IVO anfing, immer größere Mengen Öl zu verbrennen.

Zunächst schrieben wir den Ölverbrauch einigen Undichtigkeiten in der Ölversorgung zu. Nachdem diese beseitigt waren und unser Iveco mittlerweile einen Liter Öl auf 100 km (!) verbrauchte, konnten nur der Turbolader (die einfache Variante) oder irgendwas im Motor (der komplizierte Teil) der Grund für dieses Malheur sein.

Den Turbolader haben wir schnell gecheckt und festgestellt: Die einfache Variante ist es natürlich nicht…

Nachdem klar wurde, dass es am Motor liegen musste, erfolgte eine „Operation am offenen Herzen“. Dabei wurden sechs neue Zylinder und Kolben eingebaut. Dabei zu sein, hat unseren Erfahrungsschatz ungemein bereichert. In diesem Video zeigen wir Euch einen Iveco Motor von innen. Viel Spaß!

Um die Zylinder ausbauen zu können, sind zunächst einige weitere Teile zu demontieren:

  • Diverse Luftleitbleche und Schaumstoffe, die dafür sorgen, dass der luftgekühlte Motor seine Frischluftzufuhr erhält.
  • Die Düsen der Einspritzpumpe
  • Der Kompressor
  • Die Krümmer für Abgas und Frischluftzufuhr
  • Dann die Zylinderköpfe

Nach der Demontage der Zylinder stellte sich heraus, dass besonders der vierte Zylinder angegriffen war. Einer der Ölabstreifringe war bereits einen Millimeter im Durchmesser und ca. 0,3 Millimeter in der Dicke abgeschliffen. Der Zylinder wies eine nennenswerte Riefe auf. Aber auch zwei weitere Zylinder sahen nicht mehr sehr vertrauenserweckend aus.

Das Ergebnis von vier Stunden Arbeit. Die Köpfe, Zylinder und Kolben sind demontiert.

Über den Grund dieses Schadens bei einer Laufleistung von unter 40.000 km kann nur spekuliert werden. Die Spezialisten von www.4wheel24.de vermuten, dass der Wagen in aktiven Zeit bei Feuerwehr und THW entweder mit zu wenig Öl gefahren wurde oder dass er bei einem Einsatz Wasser angezogen hat.

Ursachenforschung, die jedoch zu keinem genauen Ergebnis führte. Fakt war: Neue Zylinder und Kolben mussten her.

Unabhängig von der Ursachenforschung wurden nun sechs neue Zylinder und Kolben verbaut. Da die Zylinderköpfe unversehrt waren, wurde auf einen Tausch verzichtet. Lediglich die Ventile wurden neu eingeschliffen – eine Arbeit, die ein sehr hohes Maß an Geduld und Ausgeglichenheit erfordert.

Das Kurbelgehäuse und die Pleuelstangen waren zum Glück nicht betroffen

In Ermangelung eines Spezialwerkzeuges, um die Kolben in die Zylinder zu schieben, wurde eine Manschette aus Stahlblech gefertigt, die mit einer Rohrzange zusammengedrückt wurde. Einfach und clever, da merkt man die Erfahrung von Clemens und Jörg aus dem Team von 4Wheel24!

Glänzende Kolben und Zylinder führen zu glänzendem Grinsen der IVO-Eigner 😊

Ein wirklich hoher Aufwand ist die Messung des richtigen Abstandes der Kolben zum Zylinderkopf. Dabei wird auf den montierten Kolben ein Bleidraht geklebt. Nach der Montage des Zylinderkopfes wird der Motor einmal von Hand durchgedreht. Danach wird der Zylinderkopf wieder demontiert und die Dicke des Bleidrahtes an der dünnsten Stelle gemessen. Wenn dieser Wert nicht zwischen 1.0 und 1,2 mm liegt, muss die Höhe des Zylinders mit Distanzscheiben korrigiert werden.

Nach der Montage und einem anschließenden Probelauf können wir nun unseren IVO behutsam einfahren. Auf den ersten 500 Kilometern geht es ausschließlich über Landstraßen mit vielen Lastwechseln, wobei der grüne Drehzahlbereich nicht überschritten werden soll. Die Fahrweise auf den weiteren 1.500 Kilometern wird dann immer noch verhalten sein.

Der darauf folgende Ölwechsel entfernt eventuellen Abrieb aus der Einfahr-Phase. Danach können wir unseren IVO wie gewohnt belasten.

Auf die nächsten 1 Million Kilometer 😀

2 Kommentare zu „Unser Iveco säuft Öl!

  1. Schön mal wieder was von euch zu sehen. Leider hattet ihr ja ein wenig Pech mit IVO. Aber besser in heimischen Gefilden so einen Schaden zu haben als irgendwo im nirgendwo.
    Nun aber viel Spaß mit dem neuen Gefährt und hoffentlich gibt es bald mal wieder schöne informative Reiseberichte, mit oder ohne corona.
    LG Sabine

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    1. Hallo Sabine. Das mit dem Motorschaden war zugleich Pech und Glück. Da wir bei der Reparatur dabei sein konnten, konnten wir unglaublich viel lernen. Zudem haben wir dann jetzt einen wirklich überholten Motor. Und ja, wir genießen es bereits, mit dem LKW in schönen Gegenden unterwegs zu sein. Viele Grüße von uns beiden 😊

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